Neue Presse: „60 Jahre Uwe & Helga“

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HANNOVER. Es ist Ende 1955. Der kleine Uwe Rehbein ist elf Jahre alt und ganz heiß auf Tischtennis. Sein zwei Jahre älterer Bruder Bert nimmt ihn mit zum Training vom TTC Helga in die Turnhalle an der Stammestraße. Es ist voll. Zu voll. Für den Neuankömmling ist kein Platz. Der Trainer gibt ihm eine Plattenhälfte. Rehbein muss den Ball gegen die Wand spielen. Allein. In einer Ecke. Klein Uwe macht das nichts. Am 11. Februar 1956 tritt er bei Helga ein. 60 Jahre später spielt Rehbein noch immer. In derselben Halle. In derselben Ecke. Natürlich auf einer ganzen  Platte. Undeinen Gegner hat er auch. Vereinslegende Rehbein und Helga-Kollege Song Shan Hua spielen ein paar Bälle. Rehbein schnippelt mit seinem 50 Jahre alten Holz das Zelluloid immer noch gekonnt übers Netz. Erst seit „ein paar Wochen geht das wieder“, erzählt er. 2012 war er beim Saubermachen vom Dach seines Hauses gestürzt und hatte sich Becken und Steißbein  gebrochen: „Ein Geschenk Gottes, dass ich nicht im Rollstuhl gelandet bin.“ Er ist froh, wieder spielen zu können. Denn: „Ich kann nicht ohne Tischtennis.“ Rehbein lebt seit 60 Jahren für den  Sport. Und für Helga. 17 nationale und internationale Großveranstaltungen hat er mittlerweile in und für Hannover organisiert. Zuletzt das Pokal-Final-Four der Damen im Januar. Aufgehört hat er  inoffiziell schon mehrmals. Aber Rehbein lässt sich immer wieder überreden weiterzumachen. Er kann nicht anders: „Wie eine Droge ist das.“ Seiner Frau Laila (73), mit der er 51 Jahre verheiratet ist, gefällt das weniger. „Sie bittet mich aufzuhören. Sie will auch mal unter der Woche mit mir spazieren gehen. Ich kann aber meistens nur sonntags“, sagt Rehbein und zuckt mit den Achseln. Helga ist eben seine zweite große Liebe. Nach elf Jahren an der Spitze ist er jetzt aber nur noch einfaches Mitglied. Und eine nächste Großveranstaltung, bei der er seine Finger im Spiel haben könnte, ist auch nicht in Sicht. Noch nicht. Rehbein träumt davon, dass in Hannover noch einmal eine deutsche Meisterschaft stattfindet. Da würde er dann natürlich nochmal mit  anpacken. „Wer soll es sonst auch machen“, fragt sein alter Weggefährte Fred Schwenke (79), „keiner kann es so gut wie er.“ Rehbein, Ex-Bundesligatrainer Schwenke, Ex-Bundesligastar Song (52) und das langjährige Helga-Mitglied FrankStrüning (51) stoßen mit dem Sekt an, den der Jubilar zur Feier des Tages mitgebracht hat. „Es ist wie eine Familie hier. Und die lasse ich nicht im  Stich“, sagt Rehbein und schwört: „Ich werde den Verein bis an mein Lebensende unterstützen.“

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Quelle: NeuePresse, 12.02.2016
Text von Simon Lange

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